Bei Pflege gibt’s nix zu sparen!
19 Januar, 2012 von Andreas Khol
Am vergangenen Wochenende haben sich einige Medien (u.A. der ORF) wieder einmal besonders ausgezeichnet! Infolge der Veröffentlichung eines „Eurobarometers“ titelten sie: „Österreich bei Familienpflege Schlusslicht“.
Hintergrund ist, dass in einer europaweiten Umfrage, bei der in Österreich etwas mehr als 1.000 Personen im Alter von 16 bis 60 Jahren auf die Frage „Pflegen Sie persönlich ein Familienmitglied“ nur 5% der Befragten mit „ja“ geantwortet hatten. Und damit deutlich weniger als in anderen EU-Ländern. Dieses Ergebnis passt freilich gar nicht zu dem, was wir in Österreich über die Pflegesituation wissen: 82% der Pflegebedürftigen werden von Angehörigen gepflegt – und damit deutlich mehr als in anderen europäischen Staaten.
Wie es zu dieser Differenz kommt, erklärte Bundesobmann-Stellvertreterin LAbg. Ingrid Korosec gleich zu Wochenbeginn ausführlich. Jedenfalls fehlte eine – bedeutende – Ergänzung in den Medientexten. Nämlich: Der Hinweis, dass in Österreich fast ausschließlich Senior/innen Pflegende sind (weswegen 16- bis 56jährige fast alle mit „nein“ antworteten) und dass eben 82% der Pflegebedürftigen die Unterstützung durch ihre Familie erhalten.
Dies ist ein weiteres Beispiel für den unachtsamen Umgang österreichischer Medien wenn es um die Situation der älteren Generationen im Lande gibt. Daher werden wir kommende Woche zum mittlerweile 3. Mal wieder die Medienpreise „Senioren-Rose“ und „Senioren-Nessel“ vergeben. Diesmal auf Einladung von Nationalratspräsidentin Mag. Prammer, in Zusammenarbeit mit Seniorenrat und Journalistenclub. Mehr als 120 Gäste werden erwartet – ein klarer Auftrag, diesen Preis auch für 2012 wieder auszuschreiben.
Das Thema Pflege machte dieser Tage ein weiteres Mal Schlagzeilen. Der SPÖ-Bundesgeschäftsführer hatte zuletzt ja vorgeschlagen, man solle „den Reichen“ kein Pflegegeld mehr auszahlen. Eine parlamentarische Anfrage ergab nun: Nur knapp 1,2 Prozent der Bezieher übertrafen (2009) ein Brutto-Jahreseinkommen von 56.280 Euro (die Höchstbemessungsgrundlage), mehr als eine Mio. Euro konnte überhaupt nur ein Pflegegeld-Bezieher aufweisen. Die relative Mehrheit der Pflegegeldbezieher (39,1 Prozent bzw. 168.390 Personen) im Jahr 2009 auf ein Bruttoeinkommen zwischen 12.000 und 24.999 Euro. Rund 18 Prozent (77.120 Personen) bezogen ein Einkommen von bis zu 8.000 Euro pro Jahr, knapp 29 Prozent (123.919 Personen) eines zwischen 8.000 und 11.999 Euro. Elf Prozent der Betroffenen (47.176 Personen) kamen 2009 auf ein Jahreseinkommen von 25.000 bis 39.999 Euro. Eine Kategorie höher – zwischen 40.000 und 56.280 Euro brutto – lagen dann nur mehr 2,1 Prozent (9.153 Personen).
Soll heißen: Bei den Pflegegeldbeziehern ist NIX zu holen. Das hätten wir aber dem Helden der Belastungserfinder, Kräuter, gleich sagen können. Das Sparpaket soll bei Strukturen sparen –nicht an den Menschen! Dafür kämpfen wir!
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Veröffentlicht in Aktuelles | Getaggt mit Pflege & Betreuung, Pflegegeld, Pflegende Angehörige | 1 Kommentar
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Betrifft: Nulllohnrunden für Pensionisten
Sehr geehrter Herr Dr. Khol,
in der Angelegenheit Budgetsanierung bin ich äußerst gespannt darauf, wo sich die Regierung jetzt die benötigten Milliarden holt. Die Politik hat es sich in der Vergangenheit recht einfach gemacht und Jahrzehnte die Staatsschulden erhöht. Als Privatperson kann ich das nicht! Einmalige Nulllohnrunden für Pensionisten werden das Budget nicht dauerhaft sanieren und sind für die Regierung eine Bankrotterklärung. Hier sind dauerhafte Reformen gefragt und nötig. Oder will man sich mit solchen Maßnahmen bis zu den nächsten Wahlen hinüberretten? Oder ist daran gedacht, den Pensionisten überhaupt keinen Inflationsausgleich mehr zuzugestehen und so zur Budgetsanierung beizutragen?
Die Unternehmer geben die Teuerung an die Bevölkerung weiter und gleichen damit ihre (tw. in Stiftungen ausgelagerten) Gewinne aus – so einfach ist das.
Ich weiß schon, es ist einfacher bei der Masse anzusetzen, denn da ist schnell ein “einmaliger” Effekt gegeben, als ernsthaft über Reformen bei bisher Privilegierten nachzudenken. Aber was ist morgen? Ach ja, da könnte ja eine andere Partei am Ruder sein, die kann sich dann neuerlich Gedanken darüber machen, wie man denn am besten ihre Wählerinteressen schützt, abgesehen davon, dass die Schuldenbremse ja auch nicht in der Verfassung steht.