Club2 vom Mittwoch
6 Februar, 2009 von Andreas Khol
Nicht nur ein Seniorenthema!
Eingeladen hatte man mich zu einer Diskussion zum Thema „Wie rechts ist Österreich?“. Das hätte ich gerne mit den angekündigten 4 TeilnehmerInnen diskutiert. Dann stellte sich jedoch heraus, dass es ausschließlich um den dritten Nationalratspräsidenten gehen sollte – und zwar in einer viel größeren Runde. Mein Grundsatz war, ist und bleibt, dass ich meine Vorgänger und Nachfolger im Amt nicht öffentlich bewerte. Daran habe ich mich gehalten und daher die Teilnahme abgesagt.
Gestern wollten dann unsere Telefone nicht mehr still stehen. Ein Anrufer war aufgeregter als der andere. Dabei war die Tatsache, dass ich nicht teilgenommen habe, nicht das Thema – das konnten die Senioren gut verstehen.
Was sie nicht verstehen konnten, waren einige der Kommentare der TeilnehmerInnen. Dass die Frage, wie „rechts“ Österreich sei, geschweige denn, was „rechts“ überhaupt ist, nicht ansatzweise erläutert werden konnte, war zu erwarten. Was unsere Anrufer allerdings so aufgeregt hatte, war die Pauschalverurteilung konservativer Werte. Konservativ zu sein war gleichgestellt worden mit dem Nationalsozialismus. ÖVP-Männer, die für unser Österreich unglaublich viel geleistet hatten, waren verunglimpft worden.
Das alles hätten unsere Senioren vielleicht noch irgendwie ausgehalten. Aber was sie mitten in Herz getroffen hatte war die abschießende Aussage von Frau Beckermann:
Man müsse die Kinder möglichst früh von den „womöglich auch noch alkoholkranken“ Müttern, die ihre Kinder mittags aus der Schule holen, wegkriegen. Mann müsse die Erziehung der Kinder möglichst früh und umfassend in staatliche Hand geben.
Das konnten unsere Senioren nicht mehr ertragen. Ihre Enkelkinder sind wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Die Enkelkinder mittags von Schule oder Kindergarten abzuholen, um mit ihnen zu lernen oder einfach wertvolle Zeit miteinander zu verbringen, ist den Senioren Lebenselexier. Die Erzählung von der Omi, die in zweiter Spur parkt, um das Enkerl von der Schule zu holen ist längst wahr geworden. Und wenn das Fazit dieser „Diskussion“ lauten sollte: rechts zu sein heißt, seinen Kindern und Enkelkindern Zeit zu widmen – na, dann sind wir sehr gerne rechts .
Wenn auch Sie sich geärgert haben, schreiben Sie dem ORF-Publikumsrat: publikumsrat@orf.at
Veröffentlicht in Aktuelles | Verschlagwortet mit Familie, Kinder & Enkel, Oma & Opa, rechts | Noch keine Kommentare
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